Die Zollbestimmungen aus Deutschland bzw. der EU zu kennen und korrekt anzuwenden, ist im internationalen Handel nur die eine Seite der Medaille. Die Ware, die ihr gerade mühevoll mit korrekter Zolltarifnummer, Gewicht und allen relevanten Stammdaten angemeldet habt, muss nicht nur „raus“, sondern auch in das gewünschte Zielland ohne Probleme importiert werden. Immer wieder kommt es hier zu Verzögerungen und ärgerlichen Kosten wie Zusatzzöllen und Lagergebühren, weil Dokumente fehlen.

Je nach Zielland gelten andere Voraussetzungen, die für ein flüssiges Zollverfahren erfüllt sein müssen.

Schau dir im Vorfeld an, welche Zollbestimmungen in deinem Zielland gelten! Die erste Regel: Für EU-Länder gelten nämlich andere als für Nicht-EU-Länder. Neben den später erwähnten Zollbestimmungen gilt es außerdem, ein paar Pfeiler der Exportkontrolle zu beachten.

Ist dein Zielland von Embargos betroffen? Dies kannst du zum Beispiel auf der Seite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einsehen. Weiterhin ist zu prüfen, ob dein Empfänger im Zielland mit Sanktionen belegt wurde, da kann eine erste Hilfestellung der Link zur Finanzsanktionsliste sein. Und wenn dein Produkt auch keiner Dual Use-Verordnung oder Ausfuhrliste unterliegt, dann bist du schon einen guten Schritt weiter.

Dann kann’s jetzt mit dem Thema losgehen, wegen dem du hier bist: Die Zollbestimmungen deines Ziellands.

Das Ursprungszeugnis (Certificate of Origin): Woher kommen deine Waren eigentlich?

Es gibt wohl in jedem Land irgendeine Art von Regelung, die für Importwaren gilt. Sei es eine Importbeschränkung, bestimmte Warenkontingente oder die Kontrolle von Warenströmen.
Das Ursprungszeugnis bescheinigt dir also den Ursprung der Ware, wie der Name schon sagt. Es ist eine öffentliche Urkunde und ist in einigen Ländern obligatorisch. Informationen, für welche Länder ein Ursprungszeugnis erforderlich ist, findest du z.B. in den Konsulats- und Mustervorschriften. Die Konsulats- und Mustervorschriften (K und M) der Handelskammer Hamburg informieren über die Vorschriften, die beim Export in alle Länder der Welt zu beachten sind.

Die Ursprungszeugnisse für deinen Export stellen die zuständigen Industrie- und Handelskammern (IHKs) aus. Dort findest du in der Regel auch Ansprechpartner, die dich unterstützen, welche Nachweise du beim Antrag vorlegen musst.

Der hier sogenannte handelsrechtliche Ursprung einer Ware bezieht sich immer auf das Land/Gebiet, wo die letzte wesentliche Be- und Verarbeitung stattgefunden hat. Im Zoll gibt es allerdings mehrere Ursprungsarten, dazu gleich mehr.

Informiere dich also, ob du ein Ursprungszeugnis benötigst und beantrage dies mit etwas zeitlichem Vorlauf bei deiner IHK. Ansonsten kann es zu ärgerlichen Verzögerungen oder zusätzlichen Kosten beim Import im Zielland führen, und das wollen wir ja vermeiden.

Die Präferenzabkommen: Spar dir Zollgebühren mit dem präferenziellen Ursprung

Mit einigen Ländern hat die Europäische Union sogenannte Präferenzabkommen (z.T. für bestimmte Waren) geschlossen. Die sparen dir beim Import Zölle und verschaffen dir beim Export einen Wettbewerbsvorteil, weil dein Kunde weniger Zölle bezahlt. Es wird unterschieden zwischen:
• Einseitigem Präferenzabkommen: Hier profitiert nur das Land der Europäischen Gemeinschaft, welches die Waren aus einem anderen Land importiert. Bei den Partnerländern handelt es sich in der Regel um Entwicklungsländer.
• Zweiseitiges Präferenzabkommen: Bei dieser Form des Abkommens profitieren beide beteiligte Länder vom Zollvorteil.

Um nachzuweisen, dass deine Ware tatsächlich aus einem der Präferenzländer stammt und vom bevorzugten Verfahren profitieren kann, benötigst du einen Präferenznachweis, z.B. eine EUR1. Das musst du ausfüllen und beim Zoll mit den entsprechenden Nachweisen abstempeln lassen. Damit du deinen Nachweis erhältst, muss du bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Eine Liste sämtlicher Länder mit Präferenzabkommen und Präferenzregeln für die unterschiedlichen Waren findest du in der Auskunftsdatenbank „WuP online“.

Mit unserem Poster kannst du auch einfach den Überblick über die geltenden Präferenzabkommen behalten und selbst anhand des Prüfschemas feststellen, ob du im Rahmen der Zollbestimmungen einen Präferenznachweis ausstellen kannst. Wichtige Voraussetzung für die korrekte Präferenzkalkulation ist auch die richtige Zolltarifnummer, anhand der sich die Regeln bemessen.

Einfuhrgebühren: Wie viel Zölle werden laut Zollbestimmungen im Zielland erhoben?

Hast du im Blick, welche Zölle in deinem Zielland anfallen könnten?
In der Market Access Database (MADB) gibst du die ersten sechs Stellen der Zolltarifnummer ein und wählst das Land aus, in das du exportieren möchtest. Du erhältst eine Einschätzung, wie hoch die Abgaben in dem jeweiligen Land sind. Wichtig: es können nur maximal die ersten sechs Stellen der Zolltarifnummer übereinstimmen. Hintergrund ist das Harmonisierte System (HS), danach wird des länderspezifisch.

In der Praxis kann es aber auch sein, dass der Importeur im Zielland eine ganz andere Zolltarifnummer beim Import anmeldet. Im Zweifel setzt du dich am besten direkt mit dem Kunden oder Importeur in Verbindung, wenn du dir hinsichtlich der Zollbestimmungen unsicher bist.

Weitere Zollbestimmungen, damit es nicht zu einfach ist 😊

Bei bestimmten Ländern und Produkten, z.B. Kosmetika, Lebensmittel aber auch im Maschinenbau sind noch spezielle Zertifikate und Genehmigungen im Vorfeld einzuholen.
Je nach Zielland musst du dann noch prüfen, ob deine Rechnung im Rahmen der Zollbestimmungen bestimmte Angaben enthalten muss. Auch diese Informationen kannst du in den oben erwähnten K&M oder über die Market Access Database recherchieren,.

Die neue Plattform der EU, Access2Markets, ist übrigens auch bereits am Start.

Alle Zollbestimmungen gründlich recherchiert und alle Voraussetzungen erfüllt? Wenn du jetzt noch die landestypischen Unterschiede bei der Adressierung im Blick behältst, steht deinem ersten erfolgreichen Export nichts mehr im Weg. Du hast noch Fragen oder brauchst Unterstützung beim ersten Anlauf? Meld dich bei uns!

Der Zoll ist immer ein schwieriges Thema – vor allem, wenn du als Startup-Gründer gerade tausend andere Sachen im Kopf hast und es kaum erwarten kannst, endlich internationale Märkte zu erobern. Trotzdem: Schau dir erst einmal in Ruhe an, welche fünf Punkte du im Blick haben solltest, um teure Nachzahlungen und Bußgelder zu vermeiden.

Lernen durch Schmerz? Muss nicht sein!

Du hast die Startphase überstanden, in Sachen Bürokratie und Behörden bist du mittlerweile ein echter Experte, dein Team hat Ahnung und euer Produkt begeistert die Leute. Kurz: Dein Startup geht gerade richtig durch die Decke und du kannst es kaum erwarten, endlich all die neuen Märkte und Länder in Angriff zu nehmen, von denen du seit Monaten träumst. Spricht ja auch eigentlich nichts dagegen. Und trotzdem hast du dieses unterschwellige Gefühl, dass du irgend etwas vergessen hast. Irgendwas ist da noch, worum du dich sicher noch dringend kümmern solltest, bevor dir der internationale Erfolg sicher ist. Es ist – der Zoll.

Wir merken immer wieder: Startups haben vieles im Blick. Nur nicht den Zoll. „Lernen durch Schmerz, jeder fällt mal auf die Nase“, mögen die einen jetzt vielleicht sagen. Aber warum unnötig hohe Nachzahlungen und Bußgelder auf dich nehmen, wenn du es auch von Anfang an richtig machen kannst? Diese fünf Punkte sollten Startups über den Zoll wissen.

Gesetze, Lizenzen, Genehmigungen: Informier dich über die Zollbestimmungen deines Ziellands

Stell dir vor, du lieferst gerade den ersten Container deiner Produkte aus. Er kommt im Zielland an – und steckt dann mehrere Wochen im Zoll fest. Die Lagerkosten wachsen in bedrohliche Höhen und du schlägst dir die Hand vor den Kopf, als du merkst, woran es lag: Dir hat eine einzelne Angabe gefehlt. Und über die hast du dir nicht wirklich Gedanken gemacht, weil sie für Deutschland vielleicht gar nicht relevant war.
Wenn du als Startup deine Waren durch den Zoll bringen willst, musst du dich vorab über Gesetze, Verbote, Lizenzen und Genehmigungen informieren, die das Zielland voraussetzt. Das gilt sowohl für den Export als auch für den Import. Die Market Access Database gibt dir detaillierte Insights dazu.

Außerdem sollte dir bewusst sein, dass auch einige Produkte besonderen Bestimmungen unterliegen. Beispiel: Du lieferst Bauteile, die auch militärisch genutzt werden könnten – auch „Dual Use“ genannt. Deinen Geschäftspartner hast du nicht genau unter die Lupe genommen (zum Beispiel über Embargo- oder Sanktionslisten) – denn Geschäft ist Geschäft, und du freust dich über deinen ersten Kunden im Ausland. Nach einigen Monaten bekommst du gewaltig Ärger. Warum? Du hast an eine Terrororganisation geliefert, der deine Bauteile recht gelegen kamen. Das ist jetzt natürlich ein ziemlich drastisches Beispiel. Aber du verstehst, worauf wir hinauswollen: Schau dir genau an, wohin und an wen du lieferst – und welche Vorschriften für dieses Land relevant sind.

Was genau ist in diesem Paket? Nimm es mit der Zolltarifnummer besser genau

Die Zolltarifnummer ist das A und O, wenn du dein Startup internationalisieren willst. Sie gehört neben Warenbeschreibung und Warenursprung zu den grundlegenden Stammdaten, die deine Lieferung enthalten muss. Viele denken sich: „Ach, die Zolltarifnummer, die schlag ich mal eben in der Datenbank nach und dann hat sich das“. Wie so vieles im Leben ist das aber leider nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, denn: Datenbanken wie der EZT Online (Elektronische Zolltarif) können Dich häufig zu der falschen Nummer leiten. Gilt für deine Körnermischung 0 % oder 12,8 % Zollsatz? Und ist deine Deko wirklich noch Deko, oder geht sie nicht vielleicht schon als Weihnachtsartikel durch?

Startups sollten sich bei Zollfragen deshalb lieber eine verbindliche Auskunft von einem Experten einholen – oder die Nummer zumindest im Nachgang noch einmal überprüfen lassen. Und damit kommen wir schon zum nächsten Punkt.

In Zollfragen kennt sich dein Steuerberater nicht unbedingt aus – geh zum Experten!

Kannst du nicht einfach deinen Steuerberater fragen, wenn du Hilfe bei der Zollabwicklung brauchst? Schließlich hast du nicht Unmengen an Geld herumliegen, was du hier und da in Experten investieren kannst. Den Steuerberater bezahlst du so oder so, und mit Steuerfragen kennt der sich ja aus.

Von diesem Gedankengang wollen wir dringend abraten. Den meisten Steuerberatern fehlt das spezielle Nischenwissen, das für Zollangelegenheiten nötig ist. Such dir deshalb lieber einen ausgewiesenen Experten, das ist deutlich billiger als Nachzahlungen, die wegen fehlender oder falscher Angaben auf dich zukommen. Übrigens: Wenn du dich an einen zertifizierten Berater wendest, kannst du dir diese Beratung sogar vom BAFA fördern lassen.

Was musst du über die Zollanmeldung via Paketdienstleister wissen?

Weiter geht’s mit der Zollabwicklung an sich. Gibt’s da etwas, was Startups wissen sollten? Klar, gibt es. Zum Beispiel die Sache mit dem Paketdienstleister. Wenn du DHL und Co. mit der Abwicklung beauftragst, bevollmächtigst du den Dienstleister zwar für jede Sendung – doch die Haftung, zum Beispiel für eine falsche Zolltarifnummer, bleibt bei dir. Mach deshalb immer explizite Angaben, wie die Sendung verzollt werden soll. Dazu gehören z.B. die Zolltarifnummer, der Zollwert, das korrekte Zollverfahren.

Last but not least: Lohnt sich die vereinfachte Zollanmeldung für Startups?

Ab einer gewissen Anzahl monatlicher Exporte ins Ausland kann es anstrengend werden, für jede Lieferung den gesamten Zollprozess zu durchlaufen – und zeitaufwendig ist es außerdem. Als sogenannter „zugelassener Ausführer (vereinfachten Zollanmeldung (Art. 166 UZK)“ kannst du die Abwicklung beschleunigen. Ein Beispiel: Ab 1000 € Warenwert musst du deine Ausfuhr elektronisch beim Zoll anmelden. Das machst du über eine Software mit ATLAS-Anbindung oder du beauftragst einen Dienstleister. Bist du zugelassener Ausführer, umgehst du diverse Schritte wie die Vorführung (Gestellung) beim Zoll und kannst deine Lieferung quasi direkt versenden.

Um von deinem zuständigen Hauptzollamt zur vereinfachten Anmeldung zugelassen zu werden, muss dein Startup einige Voraussetzungen erfüllen – zum Beispiel Zahlungsfähigkeit, bestimmte Sicherheitsanforderungen oder auch ein ausreichend geschultes Personal.

Fazit: Startups sollten die Zollabwicklung nicht auf die leichte Schulter nehmen

Du hast jetzt sicher gemerkt, dass es so einiges gibt, was dein Startup beim Zoll beachten sollte. Wir legen dir deshalb ans Herz: Informier dich vorab ausführlich und wende dich im Zweifelsfall an einen ausgewiesenen Zollberater, damit nicht nach einigen Jahren plötzlich die Zollprüfung an deiner Bürotür klopft und dir einen Bußgeldbescheid im fünfstelligen Bereich in die Hand drückt!