Was sich in der Zollabwicklung mit SAP S/4HANA verändert

Die Umstellung auf SAP S/4HANA bringt nicht nur technische Änderungen mit sich, sondern auch ganz konkrete Auswirkungen auf zentrale Zollprozesse. Einige Funktionen entfallen vollständig, andere werden in neue Module ausgelagert oder nur noch eingeschränkt angeboten.

Diese Funktionen entfallen komplett

Präferenzabwicklung fällt aus dem Standard heraus

Unternehmen, die bislang Ursprungsnachweise oder Präferenzkalkulationen direkt im SAP-Standard durchgeführt haben, müssen sich umstellen: Diese Funktionalität ist in S/4HANA nicht mehr enthalten. Wer diese Prozesse weiterhin automatisiert abbilden will, muss auf das kostenpflichtige Zusatzmodul SAP GTS (Global Trade Services) umsteigen oder nach passenden Alternativlösungen suchen. Gerade für mittelständische Unternehmen kann das Lizenzmodell von GTS zur Herausforderung werden.

Extrastat-Meldungen nicht mehr enthalten

Auch die Erstellung von Extrastat-Meldungen ist künftig nicht mehr möglich. Das neue Modul „International Trade“ unterstützt nur noch Intrastat-Meldungen – wenn auch mit einigen landesspezifischen Erweiterungen, etwa für Italien. Unternehmen, die auf Extrastat angewiesen sind, müssen eigene Lösungen integrieren oder alternative Tools nutzen.

Diese Funktionen verändern sich

Akkreditivabwicklung wandert in ein neues Modul

Prozesse rund um dokumentarische Zahlungen wie Akkreditive wurden in das Modul „Treasury & Risk Management“ ausgelagert. Unternehmen müssen prüfen, ob ihre bisherigen Abläufe in der neuen Struktur noch abbildbar sind – und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

Tarifierung und Klassifizierung mit neuen Optionen

Im Bereich Tarifierung hat SAP in S/4HANA zwar neue Funktionen integriert, die die Arbeit mit der Kombinierten Nomenklatur erleichtern sollen. Diese bieten mehr Flexibilität, z. B. bei der Abbildung nationaler Zollnomenklaturen. Die Funktionalität bleibt insgesamt aber begrenzt – Unternehmen mit komplexen Anforderungen sollten daher genau hinschauen, ob die neuen Optionen ausreichen.

Typische Fehlerquellen bei der SAP S/4HANA-Migration im Zollbereich

Gerade im Bereich Zoll und Außenhandel zeigt sich bei vielen Projekten: Die Migration auf SAP S/4HANA birgt versteckte Risiken, die schnell teuer werden können, insbesondere wenn externe Zollsoftwarelösungen oder individuelle Schnittstellen im Einsatz sind.

Kompatibilitätsprobleme bei externen Zollsystemen

Viele bestehende Zollanbindungen basieren auf Plug-ins oder Schnittstellen, die speziell für frühere SAP-Versionen entwickelt wurden. Diese funktionieren in der Regel nicht 1:1 mit S/4HANA, da die technologische Basis eine andere ist. Wer hier nicht frühzeitig auf die Softwareanbieter zugeht, riskiert Unterbrechungen in der Kommunikation zwischen den Systemen, mit direkten Auswirkungen auf die Zollabwicklung.

Eigenentwicklungen werden zum Stolperstein

In vielen Unternehmen wurden über die Jahre individuelle Lösungen („Custom Code“) aufgebaut – oft genau auf die bisherigen SAP-Strukturen zugeschnitten. Doch in S/4HANA greifen diese Eigenentwicklungen nicht mehr ohne Weiteres. Unternehmen stehen dann vor der Wahl: Aufwendig anpassen oder auf moderne Standardlösungen umsteigen? Wichtig ist, frühzeitig Klarheit zu schaffen, bevor kritische Prozesse ins Stocken geraten.

Erfolgsfaktoren für eine gelungene SAP S/4HANA-Umstellung in der Zollabteilung

Damit die Umstellung auf SAP S/4HANA nicht zum Risiko für die Zollabwicklung wird, braucht es eine gute Vorbereitung und klare Prioritäten. Wer einige zentrale Grundsätze beachtet, kann viele typische Stolperfallen vermeiden:

1. Zollprozesse frühzeitig einbeziehen

Zoll ist kein nachgelagerter Prozess, auch wenn er in vielen Projekten oft erst spät bedacht wird. Besser: Von Anfang an mitdenken. Die Zollabteilung sollte aktiv in Projektpläne, Schnittstellendefinitionen und Testphasen eingebunden sein.

2. Schnittstellen und Systeme analysieren

Welche externen Tools oder Eigenentwicklungen hängen am SAP-System? Was funktioniert heute und was muss angepasst werden? Eine gründliche Analyse aller Schnittstellen ist essenziell, um rechtzeitig handeln zu können.

3. Eigenentwicklungen kritisch hinterfragen

Alte Workarounds kosten oft mehr, als sie bringen. Wer jetzt auf Standardprozesse umsteigt, spart langfristig Wartungskosten und erhöht die Systemstabilität.

4. Aufklären und sensibilisieren

Zollprozesse sind häufig komplex und ihre Relevanz für andere Unternehmensbereiche wird unterschätzt. Umso wichtiger ist es, intern aktiv auf Schnittstellen, Anforderungen und potenzielle Auswirkungen hinzuweisen. Wer frühzeitig mit anderen Abteilungen spricht, kann viele Probleme vermeiden.

Fazit

Die SAP S/4HANA-Umstellung hat direkte Auswirkungen auf Zollprozesse und Compliance. Wer hier zu spät reagiert, riskiert nicht nur technische Probleme, sondern auch Verzögerungen, Fehler und unnötige Kosten.

Deshalb gilt: Zoll gehört von Anfang an mit an den Tisch. Nur wenn Schnittstellen, Prozesse und Systeme frühzeitig berücksichtigt werden, lässt sich ein reibungsloser Übergang sicherstellen.

Die gute Nachricht: Die Migration bietet auch die Chance, bestehende Strukturen zu überdenken, Eigenentwicklungen zu hinterfragen und moderne Technologien gezielt einzusetzen. Mit einem klaren Fahrplan und einem aktiven Rollenverständnis schafft deine Zollabteilung die Basis für nachhaltige und zukunftssichere Prozesse.

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